«Die Finanzierung von Abtreibungen ist Privatsache», argumentieren die Initianten der Volksinitiative. Frauen mit geringem Einkommen müssten dann auf minderwertige Angebote ausweichen, sagen Kritiker.
In der Schweiz erfolgt der grösste Teil der Schwangerschaftsabbrüche auf medikamentösem Weg. Im Jahr 2012 wurden laut Bundesamt für Statistik (BFS) 67 Prozent der Abbrüche mit Medikamenten durchgeführt. 33 Prozent der Abtreibungen wurden auf chirurgische Art vorgenommen.
Für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch muss die schwangere Frau in einem ersten Schritt das Abtreibungsmedikament Mifegyne einnehmen. Damit wird die Weiterentwicklung der Frucht gestoppt. Das Medikament wird im Spital oder beim Arzt eingenommen. Um die Frucht auszustossen, verabreichen die Ärzte in einem zweiten Schritt Cytotec.
Zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche (in Ausnahmefällen bis zur 14. Woche) werden Abbrüche in der Schweiz auf chirurgischem Weg durchgeführt – durch die so genannte Absaugmethode.
Blutungen und Krämpfe
«Grundsätzlich gilt: Je weiter fortgeschritten eine Schwangerschaft, desto grösser sind bei einem Abbruch die Wahrscheinlichkeit und der Schweregrad von Komplikationen, und desto komplexer fällt die Behandlung aus», sagt Konstantin Dedes, Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie am Unispital Zürich, auf Anfrage.
Bei einer medikamentösen Abtreibung bestehe das Risiko von aussergewöhnlich starken Bauchschmerzen und -krämpfen sowie von vaginalen Blutungen. Letztere können in sehr seltenen Fällen bis zum Verbluten führen, wenn sie nicht rechtzeitig gestoppt werden. Zu Blutungen kann es in Ausnahmefällen auch bei einem chirurgischen Abbruch kommen. Zudem besteht die Gefahr einer Infektion oder einer Verletzung der Gebärmutter.
Um bei Komplikationen rechtzeitig eingreifen zu können, ist es daher entscheidend, dass ein Schwangerschaftsabbruch unter ärztlicher Aufsicht geschieht. Doch diese Aufsicht hat ihren Preis. Laut Anne-Marie Rey, Geschäftsführerin der Abtreibungs-Fachgruppe APAC-Suisse und Betreiberin der Internetseite «Infostelle Schwangerschaftsabbruch», kostet in der Schweiz ein ärztlich begleiteter medikamentöser Schwangerschaftsabbruch im Schnitt zwischen 600 und 1000 Franken. Die Kosten für einen chirurgischen Abbruch liegen zwischen 1500 und 2000 Franken.
Gefährliche Billig-Aborte
Welche Risiken entstehen, wenn bei ungewollt schwangeren Frauen für eine Abtreibung finanzielle Überlegungen in den Vordergrund rücken, zeigt ein Blick nach Österreich. Dort sind Schwangerschaftsabbrüche innerhalb einer bestimmten Frist zwar legal; die Kosten werden aber nicht von den Krankenkassen gedeckt.
Die Initianten sind zuversichtlich: «In der Zahnmedizin zum Beispiel funktioniert das Selbstzahlermodell hervorragend. In Österreich funktioniert dieses Selbstzahlermodell bei Abtreibungen ebenso gut, und es gibt keine Komplikationen», schreibt etwa Nationalrat Jürg Stahl (SVP/ZH) in der «Initiativpost» vom Juni 2013.
Dieser Artikel wurde am 21. Januar 2014 durch die SDA publiziert und unter anderem auf der Onlineportal der Südostschweiz aufgeschaltet.